Lawrence M. Gough

(C) Bildrechte: Christine Gough

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Maître d'Armes Lawrence Matthew Gough wurde im Juni 1949 in Dublin, Irland, geboren. Im April 1964, im Alter von 14 Jahren, begann er mit dem Fechten. Ein Bekannter seines Vaters hatte ihn eingeladen, als Zuschauer zu einem internationalen Fechtturnier in Dublin zu kommen. Fünf Tage später absolvierte Lawrence sein erstes Fechttraining.

In den folgenden drei Jahren stellte Lawrence Gough bei mehreren Turnieren auf nationaler Ebene sein Talent unter Beweis. Doch zu dieser Zeit hatte der Irische Fechtverband eine Vormachtstellung, die auf den gemachten internen Strukturen basierte. Die Führungsriege setzte sich zusammen aus dem Präsidenten, der Generalsekretärin und dem Schatzmeister - alle Mitglieder desselben Dubliner Fechtvereins. Die zuvor bestehende Objektivität und Unbefangenheit des Verbands war verloren gegangen.

Als der damalige Präsident des Irischen Verbands entgegen der Satzung eigenmächtig Regeln zur Teilnahme an einem Wettkampf änderte, hat er Kompetenzen und Befugnisse überschritten. Durch diese Regeländerungen konnte Lawrence einen im Jahr zuvor errungenen Titel nicht verteidigen. Die Presse wurde darauf aufmerksam und gab Lawrence Raum, über diese Geschehnisse zu berichten. So wurde der Missstand im Irischen Fechtverband öffentlich.

Am 28. Februar 1967 erhielt der 17-jährige Lawrence Gough ein Schreiben von der Generalsekretärin des Verbands – eine Frau, die bis heute in dieser Funktion ist. Darin wurde ihm mitgeteilt, dass seine internationale Fechtlizenz eingezogen wird und er für 6 Monate weltweit gesperrt ist. Dieser Schritt wurde als „Disziplinarmaßnahme“ beschrieben, ohne allerdings zu benennen, was dem jungen Gough eigentlich vorgeworfen wurde. Ein erneuter Verstoß gegen die Satzung.

Nach Ablauf seiner sechsmonatigen Sperre war Lawrence Gough auf den nationalen und internationalen Fechtbahnen weiter erfolgreich unterwegs. Er erfüllte sämtliche, vom Irischen Fechtverband festgelegten Auswahlkriterien zur Nominierung für die Olympischen Spiele 1968 in Mexiko. Die Erfolge wurden vom Verband ignoriert – Lawrence Gough wurde nicht nominiert. Stattdessen haben sich die Auswahlbeauftragten gegenseitig nominiert, zusätzlich noch Familienmitglieder. Leistung zählte nicht.

In einem Radiointerview beharrte der Präsident des Irischen Verbands darauf, dass die getroffene Auswahl endgültig sei und niemand etwas daran ändern könne. Lawrence Gough hat daraufhin in einem offenen Brief die Auswahl infrage gestellt. Dies blieb nicht ohne Folgen: im August 1968 wurde Lawrence Gough im Alter von 19 Jahren aus dem Irischen Fechtverband ausgeschlossen und seine internationale Fechtlizenz wurde eingezogen. Er wurde lebenslang und weltweit gesperrt.

Die Ergebnisse der irischen Fechter bei den Olympischen Spielen wurden in der Presse so kommentiert: „Nach dem desaströsen Aufritt Irlands bei den Olympischen Spielen hat es den Anschein, als habe Gough unsere olympischen Fechter nicht ganz unberechtigt herausgefordert.“

Dennoch ist die Verhängung einer lebenslangen Sperre gegen einen 19-Jährigen, nur weil dieser das Auswahlverfahren für die Olympiamannschaft infrage gestellt hatte, mit Sicherheit eine der härtesten Strafen, die in der demokratischen Welt jemals innerhalb des Amateursports ausgesprochen wurde, und an Unverhältnismäßigkeit nicht zu überbieten.

In den folgenden Jahren hat Lawrence Gough für die Wiedererlangung seiner Fechtlizenz gekämpft. Er hat erreicht, dass der Weltfechtverband FIE aufgrund seines Falles seine Satzung änderte. Dadurch wurde der FIE ermöglicht, die internen Arbeitsweisen der Nationalverbände zu überprüfen. Es gab einen Untersuchungsausschuss im Fall Gough und der irische Verband wurde 1972 verpflichtet, Lawrence Gough eine Lizenz auszustellen. Die Personen im Vorstand ließen keine noch so schamlose Möglichkeit aus, trotz dieser Anordnung des Weltfechtverbandes Lawrence Gough bei jeder sich bietenden Gelegenheit zu schikanieren.

Lawrence Gough hatte also seine FIE-Lizenz zurück, konnte aber trotzdem nicht in seiner Heimat Irland trainieren. Die wenigen Fechtvereine des Landes waren zu dieser Zeit abhängig vom Irischen Fechtverband und wagten es nicht, deren Einstellung und Verhaltensweise gegenüber Gough infrage zu stellen.

Damit er trainieren und fechten konnte, war Lawrence Gough, inzwischen 23 Jahre alt, mit allen Konsequenzen für sein Berufs- und Privatleben Ende Juli 1973 gezwungen, sein Heimatland zu verlassen. Er entschied sich für die Bundesrepublik Deutschland, eine der stärksten Fechtnationen der Welt. Er wurde Mitglied in einem deutschen Fechtverein und erhielt eine Fecht-Lizenz vom DFB. Was Lawrence Gough aber sein Leben lang behielt: seinen irischen Pass und seine irische Staatsangehörigkeit.

Die nächsten Olympischen Spiele sollten 1976 in Montreal stattfinden. In der Vorbereitung seit 1974 hat Lawrence Gough in vielen internationalen Turnieren Erfolge eingefahren. Er war 1976 der führende Degenfechter Irlands und als irischer Staatsangehöriger hätte er von dem Irischen Fechtverband für Olympia nominiert werden müssen. Im Februar 1976 erhielt er einen Brief, der alles zunichte machte:

„Ich möchte Sie darüber informieren, dass es nach Meinung der IAFF (Anm.: Irish Amateur Fencing Federation, heute: Fencing Ireland) ungeachtet der von Ihnen erzielten Ergebnisse nicht im besten Interesse des irischen Fechtsports liegt, wenn Sie Irland bei den Olympischen Spielen in Montreal vertreten. Daher wird der Verband Ihre bisher erzielten Ergebnisse nicht an das Olympic Council of Ireland weiterleiten.“

Hier konnte auch der Präsident des Weltfechtverbandes FIE nichts mehr ausrichten, ihm waren die Hände gebunden. Lawrence Gough wurde ein zweites Mal um die Teilnahme an Olympischen Spielen betrogen.

Seit seiner Ankunft in Deutschland im Jahr 1973 hatte sich Lawrence Gough über Jahrzehnte sowohl in den lokalen Fechtkreisen, als auch weit darüber hinaus einen hohen Bekanntheitsgrad und ein Renommee als Fechter erworben. Auch als Trainer und Persönlichkeit wurde ihm großer Respekt entgegen gebracht. Ironischerweise war Lawrence Gough sowohl international als auch innerhalb Deutschlands das Gesicht irischen Fechtens.

Nach fast 50 Jahren hat Lawrence Gough im Dezember 2015 seine Fechtgeschichte „Die Akte Gough“ in mehreren Sprachen veröffentlicht (www.goughpapers.com). In dem sehr persönlichen Epilog dankt er seiner Familie, die ihm einen unerschütterlichen Sinn für Integrität, Gerechtigkeit, Aufrichtigkeit und Fairness vermittelt hat.

Lawrence Gough hat zu spüren bekommen, wie hilflos ein Sportler ist, wenn andere Menschen aus eigenem Machtdenken heraus gegen alle Fairness handeln und eigene Interessen über sportliche Leistungen stellen. Man hat versucht, ihn sportlich zu vernichten und seinen Willen zu brechen. Aber er war stärker und hat sich, zutiefst geprägt von seiner eigenen Geschichte, sein Leben lang für Fairness und Gerechtigkeit eingesetzt.


Im November 2016 ist Lawrence Gough in Solingen gestorben.

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